Why you should care

Nur ein aufmerksamer Liebhaber zu sein, könnte bald nicht mehr ausreichen. Müssen wir uns demnächst alle mit den neuesten Sex-Technikspielzeuge auskennen?

Würden Sie Ihre Genitalien in 3D scannen lassen? Sex mit einem Roboter haben? Oder Ihre Geschlechtsverkehrs-Frequenz mit einem tragbaren Intim-Clip messen? Machen Sie sich darüber schon mal Ihre Gedanken. Denn die neuesten High-Tech-Spielzeuge legen es darauf an, unser Sexleben zu verändern – von Virtual-Reality-Pornos bis hin zu Bluetooth-kontrollierten Spielzeugen.

Schon klar: Bei neuen Sextechnologien gibt es immer viele Mätzchen, und vielleicht spricht auch von diesen Erfindungen schon bald kein Mensch mehr. Aber die neuen Technologien haben unseren Alltag in praktisch allen anderen Bereichen fest im Griff – vielleicht ist es ja an der Zeit, auch im Schlafzimmer endlich das digitale Zeitalter einzuläuten. Oder auch nicht. Ob es uns passt oder nicht: Die Sextechnologien kommen, und wir müssen uns entscheiden.

„Technik ist sowieso überall, da können wir sie auch genauso gut nutzen, um unsere Beziehungen lebendig zu halten“, argumentiert Suki Dunham, die Erfinderin von „OhMiBod blue Motion“ – einem Vibrator mit Fernbedienung, mit dem ein Mann eine Frau elektronisch stimulieren kann, selbst wenn er sich gerade auf der anderen Seite der Welt aufhält.

Dunham gehört zu der wachsenden Gruppe von Computerfreaks, die sich um die digitale Orgasmusunterstützung kümmern. Neun Jahre lang arbeitete sie bei Apple, bevor sie mit ihrem Mann Brian ihre eigene Firma gründete, weil sie die langen Trennungsphasen zu sehr frustrierten. „Er war immer so viel unterwegs, und da dachten wir uns: Wäre es nicht toll, wenn es so etwas gäbe? Und da haben wir es einfach selbst entwickelt“, sagt sie.

Allerdings: Der Konkurrenzkampf wird härter in der Branche der „Teledildonics“ – ja, das ist tatsächlich der Fachausdruck für ferngesteuerte Dildos. Die Firma Kiiroo zum Beispiel hat ähnliche Geräte für beide Geschlechter im Angebot und dazu noch eine Social-Media-Plattform, auf der die Nutzer „Kontakt aufnehmen“ können. Konkurrent Mojowijo nutzt die Nintendo-Spielkonsole Wii, um

Directions pdf for device

Autoblow 2

Vibrationen von einer Wii-Fernbedienung zur anderen zu übertragen. Der gute alte Telefonsex dagegen könnte bald der Vergangenheit angehören. In London wird gerade eine App namens „Glance“ für die Hightech-Brille Google Glass entwickelt, durch die die Paare in Echtzeit sehen können, was der andere sieht.

Sind Sie schon schockiert? Dann müssen Sie jetzt stark sein, denn FriXion geht sogar noch einen Schritt weiter. Bei anderen Systemen ist die Stimulation eine Einbahnstraße, aber dieses System gibt Ihnen gleichzeitig auch noch Feedback. Das heißt: Das Gerät, ausgestattet mit einem Dildo oder seinem weiblichen Gegenstück, bewegt sich tatsächlich hin und zurück. Es reagiert auf beide Nutzer und simuliert damit, nun ja, den Geschlechtsverkehr. Das System geht bald in die zweite Testphase und könnte schon im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Natürlich braucht man nicht unbedingt einen Partner, um Spaß zu haben. Nehmen Sie nur den „Autoblow 2“, ein Oralsex-Spielzeug für Männer, das sein Crowdfunding-Ziel von 45.000 Dollar um das Sechshundertfache übertroffen und schon Waren im Wert von mehr als einer Million Dollar verkauft hat.

Und es geht ja nicht nur um Bequemlichkeit. Die neuen Technologien können auch alte Grenzen einreißen und für mehr Gleichberechtigung bei der Masturbation sorgen. „The New York Toy Collective“ zum Beispiel produziert einzigartige Sexspielzeuge mit Hilfe von Gussformen, die in 3D ausgedruckt werden und alte Geschlechter-Klischees überwinden wollen. So sollen auch diejenigen angesprochen werden, die sich bisher noch nicht ausreichend repräsentiert fühlen.

„Solange sich alle Beteiligten einig sind, sollten Erwachsene jede Art von Sex haben können, den sie wollen und mit wem sie wollen, ganz gleich mit welchem Körper sie oder ihr Partner geboren wurden“, sagt Laura Parker, Mitbegründerin der New York Toy Collective. „Unser beliebtestes Produkt ist ‚Shilo‘. Es ist aus Silikon und kann unter der Kleidung getragen werden – sowohl um eine bestimmte Geschlechtszugehörigkeit auszudrücken als auch für die Bequemlichkeit – und dann zum Liebesspiel genutzt werden.”

Das Team von Toy Collective stellt auf Wunsch auch Kopien von den edelsten Teilen ihrer Kunden her. Und wer einen 3D-Drucker besitzt, kann sich bei „MakerLove“ alle möglichen kostenlosen Sexspielzeug-Designs herunterladen.

Sogar der Porno wird im digitalen Zeitalter dank der „Virtuellen Realität“ neu erfunden. Die Internet-Filmfirma Sugar DVD hat zu diesem Zweck schon eine App entwickelt, mit der man über die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift Pornos anschauen kann. Die ersten Sexfilme dafür sollen schon Anfang 2015 erhältlich sein. „Die Leute wollten schon immer selbst in Pornos mit dabei sein, und dank der Virtuellen Realität können sie das jetzt endlich tun!“ sagt Firmensprecherin Rebecca Bolen.

Natürlich ist das Suchtpotenzial all dieser mechanischen Sexspielzeuge und Virtual-Reality-Pornos groß. „Während die Technik den Leuten ständig mehr Möglichkeiten bietet, sich in hocherregende sexuelle Bilder einzuklinken, landen bei den Sexualtherapeuten weltweit immer mehr Patienten, deren Sexverhalten völlig außer Kontrolle geraten ist“, sagt Robert Weiss, Sozialarbeiter an einer

Klinik und Mitautor eines Ratgebers zu Sexsucht im digitalen Zeitalter. Aber die Technik kann auch dafür sorgen, dass Sex sicherer wird. Apps wie „Sex Positive“, entwickelt von der Universität von Oregon, wollen den Teens und anderen Nutzern unvoreingenommen sichere Sexpraktiken mit an die Hand geben. Und die comic-artige App „Happy Play Time“ soll mit praktischen Tipps dafür sorgen, dass die lange verrufene weibliche Masturbation in ein besseres Licht gerückt wird.

Die Minicomputer zur Selbstvermessung, die viele Nutzer inzwischen am Handgelenk tragen, rutschen ebenfalls unter die Gürtellinie ab. Mit einsetzbaren Geräten wie „kGoal“ können Frauen ihren Beckenboden mit Spielen trainieren, und vielleicht gibt es auch bald schon, ganz nach dem

Vorbild der Schrittmesser, ein Zählgerät für den Penis. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der elektronische Zählring, der gerade von der britischen Sexspielzeug-Firma Bondara entwickelt wird, heißt „SexFit“ und soll seinem Träger dann die verbrauchten Kalorien und Tipps für einen verbesserten Sexrhythmus anzeigen und sogar einen Punktestand vergeben, den Sie dann über die Sozialen Netzwerke allen Ihren Freunden mitteilen können. (Bitte tun Sie das nicht.)

Da draußen lauert die Schöne Neue Sexwelt, aber sind wir auch mental dafür bereit? Wahrscheinlich nicht. „Die Technik entwickelt sich immer schneller als die Weltanschauung“, erklärt Tina Gong, die Erfinderin der „Happy Play Time“-App, die wegen ihrer angeblichen Geschmacklosigkeit aus dem

Apple-App-Store verbannt wurde. „Wir müssen jetzt weiter vorstoßen, dann werden die Leute schon hinterherkommen.“

Wenn das stimmt, müssen wir uns beeilen – denn bei diesem Tempo könnten wir bald Sex mit Robotern haben. Das erst ab 17 freigegebene Computerspiel „Sext Adventure“ erlaubt es den Nutzern schon jetzt, in Echtzeit unartige Botschaften mit einem Roboter auszutauschen. Und die Entwickler von „FriXion“ arbeiten daran, dass ihr Gerät mit Filmen oder Computer-Avataren Kontakt aufnimmt.

Niemand weiß, ob all diese Erfindungen fürs Schlafzimmer zu einer besseren sexuellen Aufklärung führen werden oder vielmehr zu einer digitalen Horrorzukunft, in der die Menschen den biologischen Sex einfach aufgeben. Aber letzteres scheint doch eher unwahrscheinlich.

Denn schließlich ist der analoge Sex – erinnern Sie sich noch? der Sex mit einem echten, einverstandenen, erwachsenen Menschen – schon jetzt verdammt großartig. Wie FriXion-Gründer Seth sagt: „Wenn dir ein Roboter mehr Spaß am Sex vermitteln kann als ein Mensch, dann sollte sich der Mensch vielleicht einfach mehr anstrengen.“

(Übersetzung: Anette Kiefer)

Comment

Recommended Stories

Sponsored By sap

Recommended Stories

Sponsored By sap

OZYFast Forward

New trends and breakthrough thinking in politics, science, technology, business and culture. It’s futurism at its best.